Viele Menschen kennen das Phänomen: Das bewegliche Augenlid verschwindet teilweise oder vollständig unter dem oberen Lidrand, wodurch der Blick müde oder weniger ausdrucksstark wirken kann. Diese Augenform stellt jedoch keine Einschränkung dar, sondern bietet vielmehr die Gelegenheit, mit gezielten Schminktechniken beeindruckende Effekte zu erzielen. Professionelle Make-up-Experten haben bewährte Methoden entwickelt, um die Augen optimal in Szene zu setzen und einen wachen, strahlenden Blick zu kreieren.
Schlupflider verstehen
Was sind Schlupflider genau ?
Schlupflider bezeichnen eine Lidform, bei der das obere Augenlid das bewegliche Lid teilweise oder komplett überdeckt. Die natürliche Lidfalte ist dabei nicht oder kaum sichtbar, wenn das Auge geöffnet ist. Diese Augenform kann genetisch bedingt sein und bereits in jungen Jahren auftreten oder sich im Laufe der Zeit durch natürliche Alterungsprozesse entwickeln.
Ursachen und Verbreitung
Die Entstehung von Schlupflidern hat verschiedene Ursachen. Neben der genetischen Veranlagung spielen der Verlust von Hautelastizität und die natürliche Erschlaffung des Bindegewebes eine wesentliche Rolle. Auch ethnische Faktoren können die Augenform beeinflussen. Wichtig ist: Schlupflider sind eine völlig normale Augenform und kein Makel. Sie verleihen dem Gesicht einen individuellen Charakter und bieten vielfältige Möglichkeiten für kreatives Make-up.
Warum Schlupflider besondere Aufmerksamkeit benötigen
Bei dieser Lidform verschwinden herkömmliche Lidschatten-Looks häufig unter der überlappenden Haut. Klassische Make-up-Techniken, die für andere Augenformen funktionieren, erzielen hier oft nicht den gewünschten Effekt. Deshalb haben Experten spezielle Methoden entwickelt, die genau auf diese Besonderheit abgestimmt sind und das Auge optisch öffnen.
Mit diesem Verständnis der anatomischen Grundlagen lässt sich nun gezielt an den richtigen Schminktechniken arbeiten.
Die wesentlichen Schminkregeln für Schlupflider
Die richtige Vorbereitung der Augenpartie
Eine gute Basis ist entscheidend für langanhaltendes Augen-Make-up. Die Verwendung einer speziellen Lidschatten-Base verhindert, dass sich Produkte in der Lidfalte absetzen oder verschmieren. Die Haut sollte vor dem Auftragen leicht gepudert werden, um überschüssiges Öl zu absorbieren. Eine neutrale Grundierung über dem gesamten Lid schafft eine gleichmäßige Fläche für die weiteren Schritte.
Helle Farben als Grundlage
Helle, matte Lidschatten in Nude- oder Beigetönen eignen sich hervorragend als Basis. Diese werden großzügig auf das gesamte bewegliche Lid aufgetragen und sorgen für einen wachen Blick. Glänzende oder schimmernde Texturen sollten sparsam eingesetzt werden, da sie die Haut optisch vorwölben können. Der Fokus liegt darauf, die Augenpartie aufzuhellen und eine frische Ausstrahlung zu erzeugen.
Augenbrauen als Rahmen
Gepflegte und definierte Augenbrauen sind bei Schlupflidern besonders wichtig. Sie lenken den Blick nach oben und erzeugen einen natürlichen Lifting-Effekt. Die Brauen sollten in ihrer natürlichen Form betont und mit einem Brauengel fixiert werden. Ein leicht erhöhter Brauenbogen kann zusätzlich dazu beitragen, mehr Raum zwischen Braue und Auge zu schaffen.
Diese Grundregeln bilden das Fundament, auf dem die eigentlichen Lidschatten-Techniken aufbauen können.
Lidschatten-Techniken für einen Lifting-Effekt
Die Fake-Crease-Methode
Diese Technik gehört zu den effektivsten Methoden für Schlupflider. Dabei wird eine künstliche Lidfalte oberhalb der natürlichen, nicht sichtbaren Falte geschaffen. Mit einem mittleren bis dunklen Lidschattenton wird eine neue Linie gesetzt, die beim geöffneten Auge sichtbar bleibt. Der Lidschatten wird in kleinen, kreisenden Bewegungen aufgetragen und nach oben hin sanft verblendet. Diese Technik erfordert etwas Übung, erzielt aber beeindruckende Ergebnisse.
Vertikale Farbverläufe statt horizontaler
Anstatt Farben horizontal von innen nach außen aufzutragen, empfiehlt sich bei Schlupflidern eine vertikale Anordnung. Hellere Töne werden auf das innere Augendrittel gesetzt, mittlere Töne in die Mitte und dunklere Nuancen konzentrieren sich auf das äußere Drittel. Diese Technik öffnet das Auge optisch und lässt es größer erscheinen.
Der äußere Winkel als Fokuspunkt
Ein dunkler Akzent im äußeren Augenwinkel schafft Tiefe und Definition. Dieser sollte leicht nach oben ausgezogen werden, um einen zusätzlichen Lifting-Effekt zu erzielen. Wichtig ist, dass die dunkle Farbe gut verblendet wird und keine harten Kanten entstehen. Der dunkelste Punkt sollte genau im äußeren Winkel liegen und von dort aus sanft auslaufen.
Highlighter strategisch einsetzen
Ein heller Highlighter unter dem höchsten Punkt des Brauenbogens öffnet den Blick zusätzlich. Auch im inneren Augenwinkel sorgt ein Hauch von hellem Schimmer für Frische. Diese Lichtpunkte lenken die Aufmerksamkeit auf die gewünschten Bereiche und lassen die Augen strahlen.
Nach der perfekten Lidschattengestaltung kommt ein weiteres wichtiges Element zum Einsatz.
Der Auftrag von Eyeliner bei Schlupflidern
Tight-Lining für mehr Definition
Bei dieser Technik wird der Eyeliner direkt am Wimpernkranz zwischen den Wimpern aufgetragen. Dies verdichtet optisch den Wimpernkranz, ohne dass eine sichtbare Linie entsteht, die unter dem Schlupflid verschwinden könnte. Ein wasserfester Kajal oder Gel-Eyeliner eignet sich hierfür besonders gut. Diese Methode verleiht den Augen mehr Ausdruck, ohne zusätzlich Platz auf dem beweglichen Lid zu beanspruchen.
Der Lifting-Eyeliner
Ein dünner Lidstrich, der am äußeren Augendrittel beginnt und leicht nach oben gezogen wird, erzeugt einen subtilen Lifting-Effekt. Der Strich sollte möglichst nah an den Wimpern verlaufen und nicht zu dick sein. Ein klassischer Cat-Eye-Look funktioniert bei Schlupflidern oft nicht, da die Spitze unter dem Lid verschwindet. Stattdessen empfiehlt sich eine dezente, nach oben gerichtete Linie.
Farben und Texturen beim Eyeliner
Schwarze Eyeliner können bei Schlupflidern manchmal zu hart wirken. Dunkelbraune oder anthrazitfarbene Varianten schaffen eine weichere Definition. Für den Tag eignen sich matte Texturen, während für den Abend auch metallische Akzente gesetzt werden können. Die Wahl der Farbe sollte zum Gesamtlook und zur Augenfarbe passen.
Der Eyeliner bereitet die perfekte Grundlage für den finalen Schritt vor.
Mascara-Tricks und Wimpern für einen offenen Blick
Die richtige Mascara-Auswahl
Eine volumengebende und längenverlängernde Mascara ist bei Schlupflidern besonders wichtig. Die Wimpern sollten nach oben geschwungen werden, um das Auge zu öffnen. Wasserfeste Formeln verhindern, dass die Mascara auf das Oberlid abfärbt. Eine Mascara-Base kann zusätzlich für mehr Halt und Volumen sorgen.
Die Wimpernzange als unverzichtbares Tool
Vor dem Auftragen der Mascara sollten die Wimpern mit einer Wimpernzange geschwungen werden. Dies öffnet den Blick sofort und verhindert, dass die Wimpern gerade nach vorne zeigen. Die Zange wird für einige Sekunden am Wimpernansatz angesetzt und kann bei Bedarf in der Mitte der Wimpern wiederholt werden.
Untere Wimpern nicht vergessen
Auch die unteren Wimpern sollten mit Mascara betont werden, allerdings sparsamer als die oberen. Dies schafft Balance und lässt die Augen größer wirken. Ein kleinerer Mascara-Bürstchen eignet sich hierfür besonders gut, um Präzision zu gewährleisten.
Künstliche Wimpern als Option
Wimpernbänder oder einzelne künstliche Wimpern können bei Schlupflidern einen dramatischen Effekt erzielen. Wichtig ist, dass sie nicht zu schwer sind und die natürlichen Wimpern nicht beschweren. Wimpernbänder sollten möglichst nah am Wimpernkranz angebracht werden, um ein natürliches Ergebnis zu erzielen.
Trotz aller Techniken gibt es einige typische Fehler, die vermieden werden sollten.
Häufige Fehler beim Schminken von Schlupflidern vermeiden
Zu viel Produkt auf dem beweglichen Lid
Ein häufiger Fehler besteht darin, zu viel Lidschatten auf dem beweglichen Lid aufzutragen, der dann ohnehin nicht sichtbar ist. Stattdessen sollte der Fokus auf den sichtbaren Bereichen liegen. Weniger ist bei Schlupflidern oft mehr, und die Produkte sollten gezielt dort platziert werden, wo sie auch zur Geltung kommen.
Dunkle Farben falsch platzieren
Dunkle Lidschatten sollten nicht großflächig auf dem gesamten Lid verteilt werden, da dies die Augen optisch verkleinert. Die dunklen Töne gehören ausschließlich in den äußeren Augenwinkel und in die künstlich gesetzte Lidfalte. Eine zu tiefe Platzierung lässt die Augen müde wirken.
Unzureichendes Verblenden
Harte Übergänge zwischen verschiedenen Lidschattenfarben wirken bei Schlupflidern besonders ungünstig. Alle Farben müssen sorgfältig ineinander verblendet werden, um ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen. Ein sauberer Blending-Pinsel ist hierfür unverzichtbar.
Glitzer und Schimmer übertreiben
Während ein Hauch von Schimmer an den richtigen Stellen vorteilhaft sein kann, sollten stark glitzernde Texturen vermieden werden. Diese betonen die Hautstruktur und können das Schlupflid optisch hervorheben, anstatt es zu kaschieren. Matte Texturen sind in den meisten Fällen die bessere Wahl.
Die vorgestellten Techniken ermöglichen es, Schlupflider gekonnt in Szene zu setzen und die Augen optimal zu betonen. Mit der richtigen Vorbereitung, gezieltem Lidschatten-Auftrag und durchdachten Eyeliner- sowie Mascara-Techniken lässt sich ein wacher, strahlender Blick kreieren. Die Fake-Crease-Methode und vertikale Farbverläufe gehören zu den effektivsten Ansätzen, während häufige Fehler wie übermäßiger Produkteinsatz oder falsch platzierte dunkle Töne vermieden werden sollten. Jede Augenform bietet individuelle Möglichkeiten, und mit etwas Übung gelingt es, die persönlichen Vorzüge perfekt hervorzuheben.



